Uelsen in alten Kriegszeiten

Heimsuchungen während des spanisch-niederländischen Krieges

 

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Während des 80 Jahre lang dauernden Krieges (1568-1648) lag der spanische Oberst Emanues da Vagos im Monat April 1591mit seinem Corps, bestehend aus 3000 Mann Infanterie und 800 Mann Kavallerie beinahe 3 Wochen in Uelsen.

 

Da es eine teure Zeit war, litten die Einwohner des Kirchspiels, die von ihren Habseligkeiten beraubt waren, große Not. Graf Arnold aber sandte daher Wagen mit Bier, Brot und anderen Lebensmitteln an die Kriegsleute, damit die armen Untertanen desto mehr verschont werden möchten.


 

Drangsale während des Dreißigjährigen Krieges

Beispielbild (Prager Fenstersturz)

 

Zur Zeit des dreißigjährigen Krieges (1618 – 1648) hat die Gemeinde Uelsen wie die ganze Grafschaft furchtbar gelitten. Als im Jahre 1634 die Grafschaft Bentheim mit 4 Eskadrons Lüneburgischer Reiterei besetzt war, musste das Gericht Uelsen 74 Müdden Hafer und 1122 Pfund Heu als Fourage liefern. Im Jahre 1635 hatte die Grafschaft Bentheim eine Contribution von 2188 Reichstalern zu leisten. Dazu mussten das Dorf und das Kirchspiel Uelsen 525 Reichstaler monatlich beisteuern. Im Jahre 1640 wurden für den Monat Mai wieder 4000 Reichstaler gefordert, wozu Uelsen 690 Reichstaler zahlen musste. Da Uelsen, wie es in einem Bericht des Grafen heißt, ruiniert war, wurden auf Befehl des Generals von Wehlen von dieser Summe 200 Reichstaler gekürzt.

Der Prediger Gerhardus Periconius zu Uelsen wurde wegen rückständiger Contribution nach Rheine überführt und dort so lange gefangen gehalten, bis er für seine Gemeinde bezahlt oder Bürge gestellt hatte.

 

Der Prediger Hoedt verzog, ohne seine Entlassung gefordert zu haben, nach Zelhem.

 

Aus dieser Zeit gewalttätiger Drangsale ist noch ein Dankgebet oder Predigt von Gerhardus Perizonius vorhanden unter dem Titel:

 

„Dankpredigt über die Erlösung der siebenzwanzigjährigen Gefangenschaft, womit unser liebes Vaterland, die Grafschaft Bentheim insgemein und das Gericht Uelsen in Sonderheit, elendig ist gepresst worden, gehalten in der christlichen Gemeinde zu Uelsen am 2. März 1654.

 


 

Uelsen in den Jahren 1756 – 1763

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Aus der Zeitungsbeilage „Der Grafschafter“ vom Oktober 1954 von Willy Friedrich 

Übertragen aus der Homepage „Uelsen und Umgebung“

 

Still liegt das kleine Dorf in der fahlen Dämmerung des anbrechenden grauen Wintermorgens. Hier und dort flackert das erste trübe Licht auf. Die meisten Einwohner genießen noch die Ruhe der Nacht.

 

Da, plötzlich wird es auf der soeben noch einsamen holprigen Straße lebendig. Man hört Rufe, das klappernde Geräusch von Pferdehufen, und schließlich poltern mit lautem Getöse einige Trosswagen heran. Erschreckt fahren die Einwohner aus dem Schlaf. Der eine oder andere wagt einen scheuen Blick durch die kleinen verblichenen Fenster der niedrigen Schlafkammer. Nur wenig ist zu erkennen. Eins lässt sich aber feststellen: Es sind Soldaten, die sich auf der Straße bewegen. Woher mögen sie kommen? Sind es Franzosen? - Bange Fragen, die die Gemüter plötzlich bewegen.

 

Die Ungewissheit währt nicht lange. Einige beherzte Männer verlassen ihre Wohnung, um sich die frühen Gäste etwas näher anzuschauen. Uniform und Fähnlein lassen erkennen, dass es sich um Militärpersonen des hannoverschen Königreiches handelt.

 Allmählich ist es heller geworden. Die Kunde von dem Einrücken der bewehrten Männer dringt durch das Dorf. Neugierige umringen die Truppe. Sie wollen erfahren, was der militärische Aufzug für Uelsen zu bedeuten hat. Inzwischen ist auch der Bürgermeister erschienen. Noch etwas aufgeregt und unsicher ahnt er nichts Gutes. Mit einiger Sorge sieht er den Dingen, die da kommen sollen, entgegen. Übrigens, woher nahm diese Handvoll Soldaten den Mut, in Uelsen "einzudringen"? Die Grafschaft war zwar mit Hannover verbündet, in letzter Zeit kontrollierten jedoch ständig französische Einheiten das Grenzgebiet.

Hornsignale lassen das Gemurmel der Menschen verstummen. Gewichtig zieht der Truppenführer, umringt von seinen Soldaten, ein Pergament aus der Tasche. Er verliest eine Botschaft: Preußen befindet sich im Krieg mit Österreich. Es geht um Schlesien. Für diesen Feldzug will das Königreich Hannover Truppen stellen, weil es mit Preußen ein Bündnis geschlossen hat. Jetzt sollen auch in Uelsen Soldaten ausgehoben werden. Eigens zu diesem Zweck ist Oberstleutnant Bothmer mit seinen Getreuen hergekommen. 25 Männer sind dienstpflichtig. Ihre Namen werden verlesen. Wie Keulenschläge trifft es die umstehenden Väter, Mütter und Geschwister - Ein Wehklagen hebt an. Wann sollen die Aufgerufenen zurückkehren? Was haben die Uelser mit Preußen oder Schlesien zu tun? Sie gehen ihrem Tagewerk nach um eine karge Existenz zu haben. Mit einem Krieg soll man ihnen vom Leibe bleiben!

 Der Bürgermeister legt ein gutes Wort ein, unterstützt durch einige alte Bürger. Schließlich wird eine Herabsetzung der Sollzahl von 25 auf 18 erreicht. Ansonsten wird der Einberufungsbefehl aufrechterhalten. Bereits wenige Tage später erschien nochmals dieselbe Rekrutierungseinheit. Ohne Rücksicht auf Alter, Stand und Namen griff sie im Kirchspiel Uelsen wiederum 13 Mann auf. Über die Garnison Hameln erfolgte ihre Eingliederung in preußische Heereseinheiten. Wie lange soll das noch weiter gehen? Diese Frage stellte man sich in Uelsen. Und man zog die Konsequenzen aus dem Vorgehen der Hannoveraner. Alle Männer, soweit sie mit einer Aushebung rechnen mussten, suchten das Weite; sie flüchteten über die niederländische Grenze oder hielten sich irgendwo draußen in Heide und Moor versteckt. Mehr als einmal kamen hannoversche Soldaten. Mit aufgepflanztem Bajonett durchsuchten sie Häuser, Scheunen und Ställe nach den versteckten Männern.

 

Groß war das Leid unter der Bevölkerung. Obwohl Hannoveraner und Franzosen mit unserer Grafschaft "befreundet" waren, versuchten beide das Land für sich auszunutzen. Alles, was man gebrauchen konnte, ganz gleich ob Menschen oder Material, wurde "requiriert".

 

Kein Wunder, dass die Bevölkerung sich von ganzem Herzen freute, als endlich im Jahre 1763 von den Kanzeln der Kirchen "Frieden auf Erden..." verkündet wurde. Ruhe und Ordnung hielten auch in Uelsen wieder Einzug, nach einer wirren, von den Stürmen des Siebenjährigen Krieges gezeichneten Zeit.