Presseberichte



 

Erschienen im "Grafschafter", eine Beilage der "Grafschafter Nachrichten", im Juli 2021.

In Uelsen und der näheren Umgebung gab und gibt es zahlreiche Erhebungen

 Von Gerrit-Jan Hesselink 

Uelsens „Barge“ und „Bülte“: Bearbeiteter Auszug einer Karte von Dr. Geert Geerink.  Ganz gleich, aus welcher Richtung man sich Uelsen nähert, es geht stets bergauf. Dabei liegt die reformierte Kirche als Mitte des Dorfes mit 44 Metern über dem Meeresspiegel nicht einmal auf einem Hügel, sondern fast in einer Senke. Von Wilsum-Ortsmitte aus sind zwölf, von Itterbeck drei und von Emlichheim 30 Höhenmeter Unterschied zur Uelser Kirche zu messen. Von Neuenhaus oder Lage kommend gilt es, 24 Meter zu überwinden.

Wer sich mit den Flurnamen in und um Uelsen beschäftigt, stößt immer wieder auf die Endung „-berg“ oder „-barg“. Dank Dr. Geert Geerink, der dieses 16 Quadratkilometer große Gebiet im Jahr 1977 auf seine Flurnamen hin untersucht und in sechs Teilgebiete unterteilt hat, war es möglich, diesen Bericht zu erstellen. Viele Berge sind abgetragen oder einer Bebauung freigegeben worden.

Von den Uelser Bergen ist der Steenebarg mit knapp 70 Metern die wohl höchste Erhebung innerhalb Uelsens. Hier fanden früher die Reiterfeste statt. Auch über die Hügelgräber auf dem Steenebarg, den Weißen Berg sowie den Rönneberg sind in der Heimatliteratur Berichte veröffentlicht worden.

 



 

Erschienen im "Grafschafter", eine Beilage der "Grafschafter Nachrichten", im Sept. 2020.

 Die „Goldene Wiege“ ist es nicht

von Gerrit-Jan Hesselink

Vor 100 Jahren setzt Uelsen große Hoffnungen in den Abbau von Phosphorit

 

Ein reiches Vorkommen von Phosphorit-Knollen gab vor 100 Jahren, als nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg die wirtschaftliche Lage nur wenig rosig war, in Uelsen neue Hoffnung und neuen Mut. Man glaubte, das Vorkommen sei die „Goldene Wiege“ aus der Sage, die Uelsens Wohlfahrt sichern sollte. Nachdem im Frühjahr 1919 der Abbau begonnen hatte, musste aber bereits im Januar 1921 festgestellt werden, dass man die „Goldene Wiege“ wohl doch nicht gefunden hatte.

 

Der Abbau der Phosphorit-Knollen gestaltete sich zunächst einfach. Die Erde an den vermuteten Fundstellen wurde gegraben und durchgesiebt. Die auf diese Weise herausgelösten Phosphorit-Steine, die Knollen ähnelten, wurden gewaschen, verladen und zu Kunstdüngerfabriken gesandt, wo sie gebrannt und gemahlen wurden. So verschaffte man sich begehrten Phosphat-Dünger. Seinerzeit stockte der Bezug von Phosphaten zum Beispiel aus Lothringen, die Landwirtschaft hatte jedoch erheblichen Bedarf.

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Erschienen im "Grafschafter", eine Beilage der "Grafschafter Nachrichten", im Sept. 2017.

Historischer Schwertknauf im Acker

Seltener Fund in Hardingen

 

Vor einigen Jahren entdeckte ein Bauer in Hardingen bei Uelsen einen Eisenklumpen, etwa so groß wie ein Hühnerei. Der Fund kam bei Bodenarbeiten in der Nähe eines etwa 500 Jahre alten Bauernhofs ans Tageslicht. Der Eisenklumpen wies Rillen und einen viereckigen Durchbruch auf. Der Bauer verwahrte ihn wegen dieser Besonderheiten jahrelang. Im Frühjahr 2017 wurde der Gegenstand dem Heimatforscher Benno Sager aus Lage übergeben.

 

Die Rücksprache mit Archäologen und einem Museumsleiter bestätigten seine Ansichten: Es handelt sich hier um einen kannelierten Schwertknauf aus geschmiedeten Eisen. Er ist porig korrodiert und besitzt jetzt noch ein Gewicht von etwa 320 Gramm. Die Form lässt sich als bikonvex bezeichnen. Der größte Durchmesser beträgt 53 Millimeter, die Höhe liegt bei 42 Millimetern. Der vierkantige, sich verjüngende Durchbruch ist maximal etwa 14 mal 10 Millimeter groß. Ein solcher Knauf bildet den Abschluss eines Schwertes und soll das Abrutschen des Schwertes aus der Hand verhindern. Zudem bildet der Knauf ein Gegengewicht zur Klinge. Er verändert die Schwerpunktlage und verbessert die Schwertführung. ...

 


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Durch den kleinen, vierkantigen Durchbruch wurde der Knauf auf die Angel des Schwertgriffs, den Erl, geschoben und vernietet. Auch dekorative Aspekte wie die Kannelierung spielten bei der Knaufgestaltung eine Rolle. Die Frage nach dem Schwerttyp lässt sich nicht eindeutig beantworten. Die Knaufform lässt auf ein spanisches Rapier schließen. In den meisten Teilen Europas war diese Waffe ab dem 16. Jahrhundert verbreitet. Die besonderen Kennzeichen dieser Waffe sind die lange, schmale, doppelschneidige Klinge und ihre ausufernde und aufwendig gestaltete Griffpartien. Aufgrund des hohen Knaufgewichts wäre aber auch eine schwerere Waffe denkbar, etwa ein Haudegen oder ein Reitschwert.

Der 80-jährige Krieg in den Niederlanden und der darin eingebettete 30-jährige Krieg verschonten kaum einen Landstrich. Von 1555 bis 1626 war die Burg Lage in spanischem Besitz. Sie galt als „Raubritternest und Schrecken von Vriesland“ und der 200 Mann starken spanischen Besatzung werden Gewalttaten, Geiselnahmen und Raub in den Bauerschaften zugeschrieben. Denkbar ist also, dass der Schwertknauf hier seinen Ursprung hatte und bei einer Auseinandersetzung in den Boden von Hardingen gelangte.

 

BennoSager hat den Fund dem niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege gemeldet.