Aus der GN Zeitungsbeilage „Der Grafschafter“ vom Dezember 2013 von Geert Vrielmann

 

Lüneburger Kamp?, fragt der auswärtige Besucher auf einem Spaziergang durch das Feriengebiet Uelsen, „warum heißt der wohl so?“. Tatsächlich ein ungewöhnlicher Name für einen Acker. Welche verborgene Beziehung gibt es zwischen dem Ort in der Niedergrafschaft und der weit entfernten Stadt vor den Toren Hamburgs?

 

Sowohl in einer Auflistung des Uelser Flurnamenforschers Dr. Geert Geerink (geboren 1905) im Bentheimer Jahrbuch von 1978 als auch in der ältesten Flurkarte aus dem Jahr 1870 (siehe Abbildung) taucht der Lüneburger Kamp auf. Die Herkunft seines Namens reicht also weit zurück. Der Ursprung liegt im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648).

 

Über diese Zeit berichtet der Wilsumer Pastor und Geschichtsschreiber Wessel Friedrich Visch im Jahr 1820: „Unser Vaterland war in diesen Tagen abwechselnd durch Kaiserliche, Schwedische, Lüneburgische und Hessische Truppen besetzt, welche die Städte belagerten und einnahmen und die größten Verwüstungen anrichteten“. In aktuellen Forschungen werden die Folgen des damaligen Krieges für die Grafschaft Bentheim als weniger dramatisch beschrieben. Unbestritten sind die Kosten, die die einheimische Bevölkerung in Folge des Krieges als so genannte Kontributionen zu leisten hatte. Darüber schreibt Visch: „Außer den schweren Abgaben, die von den Einwohnern gefordert wurden, mussten sie die Truppen, die meistens aus Kavallerie bestanden, auf ihre Kosten unterhalten. So wurde zum Beispiel im Jahre 1634 die Grafschaft Bentheim mit vier Schwadronen Lüneburgischer Reiter besetzt. Das Gericht Uelsen musste wöchentlich 74 Müdde Hafer und 1122 Pfund Heu liefern“. Nach heutigen Maßen entsprach dies also mindestens einem Rundballen und mehr als zwei großen Frontlader Schaufeln voll Getreide je Woche.

 

Da blieb den Uelser Vorfahren mit ihren weitaus bescheideneren Anbaumethoden nur die Hoffnung, dass sich die Reiter des Herzogs von Braunschweig und Lüneburg und ihre hungrigen Pferde nicht allzu lange aufhielten. Ob sie auf der Nordseite des oberen Linnenbachtals. also auf dem später nach ihnen benannten Lüneburger Kamp, Weidegrund vorfanden, ob dort Hafer oder Heu geerntet wurde, ist nicht bekannt.

 

In Uelsen haben die Kriegsleute jedenfalls eine bleibende Spur hinterlassen. Im Gegensatz zu Hunderten von alten Flurnamen, die im Zuge der strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft ausgestorben sind, bleibt der Lüneburger Kampwegen seiner Lage zwischen dem gesetzlich geschützten Bachtal und der Ferienhaussiedlung in seiner Eigenständigkeit erhalten – und damit auch sein Name.