Uelsen von 1901 bis 1930

 

Uelsen im Jahre 1902

 

Die Viehzählung vom 01.12.1902 ergibt für Uelsen folgendes Ergebnis:

 

Gesamt Haushalte = 187 / Mit Viehbestand = 142 / Besitzende Haushalte = 143 / Pferde = 41 / Rindvieh = 231 / Schafe = 3 / Schweine = 435

 


 

Uelsen im Jahre 1902

 

Am nördlichen Eingang vom alten Rathaus wird das Gemeindewappen angebracht. Es wird angefertigt von Roelof Wessel, Stuckateur in Nordhorn und wohnhaft in Coevorden/Niederlande.

 


 

Uelsen im Jahre 1903

 

Bericht in der Bentheimer Zeitung vom 05.02.1903

 

Der heutige Markt in Uelsen war ziemlich gut besucht. Auf dem Viehmarkt waren angetrieben: 15 Pferde, 53 Kühe, 24 Hausschweine, 12 Schafe. Außerdem waren 38 Wagen mit Ferkeln vorhanden. Der Handel war in allen Viehgattungen gut. Für gute, hochtragende Kühe wurden hohe Preise gezahlt. Auch in Ferkeln war der Handel recht lebhaft und wurden für die Alterswoche 2,50 bis 3 Mark erzielt.

 


 

Uelsen im Jahre 1905

 

Bericht im Kreisblatt für die Grafschaft Bentheim (Neuenhauser Zeitung) vom 12.04.1905

 

Bei der heutigen Wahl von 4 Bürgervorstehern machten von 189 Wahlberechtigten 57 von ihrem Rechte Gebrauch. Die bisherigen Mitglieder des Gemeindeausschusses, die Ackerbürger Blekker, J. Frantzen und U. Sietzen wurden wiedergewählt. Für den Zigarrenfabrikanten L. van Nes wurde Kaufmann Weersmann gewählt.

 


 

Uelsen im Jahre 1907

 

Von 7 Personen wird der Imkerverein Uelsen und Umgebung gegründet. Erster Vorsitzender wird Jan Sietzen.

 


 

 

Uelsen im Jahre 1908

 

Bericht im Kreisblatt für die Grafschaft Bentheim (Neuenhauser Zeitung) vom 31.01.1908

 

Die Feier des Geburtstages seiner Majestät des Kaisers wurde am Dienstag vom Kriegerverein in herkömmlicher Weise begangen. Nach Schluss des von ein bis zwei Uhr stattgefundenen Festläutens traten die Mitglieder zum Festumzug mit nachfolgender Parade auf dem Kirchplatze an. Das Zusammenwirken der Vereinsspielleute mit der auswärtigen (Lingener) Musik war wieder vorzüglich und der Parademarsch in drei Zügen vor den Veteranen ebenfalls. In der Festversammlung herrschte die denkbar fröhlichste Stimmung, die mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den Landesherrn eingeleitet war. Auch war der Festball gut besucht und verlief in allseitig recht zufriedenstellender Weise bis in die tiefen Nachtstunden. Leider musste der Verein bei der Feier eines treuen Kameraden gedenken, der kurz zuvor ziemlich plötzlich verstorben war. Gestern erwiesen die Mitglieder diesem ehemaligen Kämpfer von Langenfalz, dem Weber G.J. Woorthuis mit dem Geleit zur letzten Ruhestätte und mit drei Salven am offenen Grabe die übliche Ehre.

 

 

 

 

Der Bericht wurde entnommen aus der Chronik der Feuerwehr Uelsen aus dem Jahre 2010

 

 

Zu einem der größten Einsätze der Pflichtfeuerwehr zählte am 26. Mai 1908 der Brand des Heide- und Waldgebietes „Am Weißen Berg“. Über diesen Brand schreibt der Chronist Ludwig Sager u.a. folgendes:

 

Andern Tages drohte im Westen ein schwarzer Ring. Das ist Dampf, sagte Müller Baumann, als wir bei ihm auf dem Mühlenberg standen. Schon schlug die Brandglocke an, das Horn rief und die Brandspritze rappelte durch Sandhausen. Heidebrand! Erst einzeln, dann in Kolonnen fuhren die Radfahrer, mit Schüppen und Spaten bewaffnet, nach Westen. Graue Qualm Wolken zogen kilometerweit über das wellige Hügelland. Es brannte überall! Überall in der weiten Heide zwischen Uelsen, Wilsum und Itterbeck war die Brandhexe aufgestanden, streckte die roten Zungen raus. Da fiel sie die Krüppelkiefer an und sprang in ausgedorrtes Wacholder- und Brombeergesträuch. Durch weiße Birken, die ihre ersten grünen Fahnen wehen ließen, fuhr wild zischend der rote Hahn. Von den ersten Löscharbeiten erholt, trieb mich die Neugier, zu erkundigen, wie es in Itterbeck aussah. Dunkle Wolken ließen nichts Gutes ahnen.

 

An der Brandstelle angekommen fährt der Chronist mit seinem Bericht fort:

An dem gewaltigen Bart erkenne ich die andere hohe Gestalt, heiße Asche versengt die grüne Uniform. Es ist Revierförster Lichte. Einen Augenblick nur ruht die Schaufel, als er mich erkennt und mir mit heiserer Stimme zuruft: Holen Sie mir hundert Mann, zweihundert Mann, bitte, bitte, sofort! Wir halten es nicht. Gleich brennt der ganze Forst.

Ich schmeiße mein Rad herum und trete in die Pedale und sause los. Durch eine Qualm Wolke muss ich, die mir Sicht und Atem nimmt. Ich schließe die brennenden Augen, suche die Mitte der Straße zu halten, bis ich hindurch bin und wieder sehen und atmen kann. Tausend Meter bis zur Wirtschaft. Es geht um Minuten. Kloppenburgs Ete steht draußen, das Brandhorn umgehängt. Blasen! Der Wald geht drauf!

 

Alle nach dem Weißen Berg. Nun geht´s drum. Und gegen 9 Uhr hatten wir es geschafft. Der Weiße Berg war vor dem Feuertod gerettet. Wir suchten die Räder auf. Von der Hitze waren die Reifen geplatzt. Wir tippelten auf Uelsen zu. Wo heute die Zollhäuser stehen, beim „Lunapark“, stand immer noch die heute unbenutzt gebliebene Brandspritze.


 

 

Uelsen im Jahre 1909

 

Der SV Olympia Uelsen wird als reiner Fußballverein unter der Bezeichnung FC Olympia Uelsen gegründet. Maßgeblich an der Gründung beteiligt ist der Lehrer und Heimatdichter Ludwig Sager.

 

 

Bericht im Kreisblatt für die Grafschaft Bentheim (Neuenhauser Zeitung) vom 29.01.1909:

Die gestrige Kaisergeburtstagsfeier des Kriegervereins war beim schönsten Wetter in allen ihren Teilen wohlgelungen. In üblicher Weise wurde sie von ein bis zwei Uhr durch Festläuten eingeleitet, dem sich ein Durchzug durch den Ort von etwa 90 Mitgliedern anschloss. Auf dem Kirchplatz wurden die zwölf Veteranen durch einen zweimaligen Vorbeimarsch im Paradeschritt geehrt, und es fiel dabei die musterhafte Ausführung unter vorzüglicher Leitung und ebensolcher Mitwirkung der Vereins- und auswärtigen Spielleute auf. Die daran sich anschließende Festversammlung verlief bei den Klängen der Musik, sowie bei Ansprachen und gemeinsamen Liedern äußerst lebhaft und vergnügt, die Stimmung wurde aber noch durch mehrere scherzhafte Vorträge einiger jüngerer Kameraden erhöht. Der Abend vereinigte eine große Anzahl von Mitgliedern und Freunden des Vereins mit ihren Angehörigen zur Unterhaltung, die in fließend geleisteten Bühnenstücken und Einzelvorträgen bestand. Namentlich hatten die im letzten Herbst aufgenommenen jungen Kameraden sich der in diesem Fall dankenswerten Mühe unterzogen, die Erschienenen zu erheitern, aber auch ein älteres Mitglied hatte wiederum seine bewährten Kräfte zur Verfügung gestellt. Um zehn Uhr begann unter großer Beteiligung ein ebenfalls allseitig befriedigender Tanz. Somit kann der Verein nach seinem jetzt

14-jährigen Bestehen auf ein zwar einfaches, jedoch würdiges Fest zurückblicken.

 


 

Uelsen im Jahre 1910

 

An der Wilsumer Straße wird die erste Molkerei in Uelsen erbaut.

 

 

Die Freiwillige Feuerwehr Uelsen wird gegründet. Vorher gab es bereits eine Pflicht-Feuerwehr an der sich alle Bürger beteiligen mussten.

 

 


 

Uelsen im Jahre 1917

 

Der letzte verbliebene Nachtwächter J. Hondebrink fordert eine Gehaltserhöhung. Diese wird ihm nicht erfüllt. Daraufhin kündigt er seinen Dienst zum 1. Januar 1918.

 


 

Uelsen im Jahre 1919

 

Der Spielmannszug vom Bürgerschützenverein Uelsen wird gegründet. Als Ausbilder fungieren Albert Meistee aus Uelsen und Hindrik Giesbers aus Höcklenkamp.

 


 

Uelsen in den Jahren 1919/1920

 

Uelsen bekommt eine elektrische Energieversorgung.

 


 

Uelsen im Jahre 1924

 

Der Reit- und Fahrverein Niedergrafschaft wird gegründet. 1. Vorsitzender wird Tierarzt Christian Winter aus Neuenhaus.

 


 

Uelsen im Jahre 1927

 

In diesem  Jahr bekam Uelsen eine öffentliche Badeanstalt mit 3 Wannen und 4 Brausen. Sie blieb für fast 30 Jahre in Betrieb. Als Heizer wurde Louis Hondebrink eingestellt. Das Badewasser kam in den erstren Jahren aus in der Nähe vorbeifließenden Massbecke. Die Badeanstalt befand sich an der Nackenbergstraße.

Dort befindet sich jetzt der Vorplatz des Feuerwehrhauses.

 




 

Uelsen im Jahre 1929

 

Am 02.10.1929 wird der Männerchor Uelsen gegründet. 1. Vorsitzender wird Johann Bosmann. Der Lehrer Friedrich Müller aus Wilsum stellt sich als Dirigent zur Verfügung.

 

Das Wasserwerk wird fertiggestellt und Uelsen erhält eine zentrale Wasserversorgung. Es werden zunächst etwa 220 Haushaltungen angeschlossen.

 

Eine schöne Weihnachtsfreude machten die Gemeinden Getelo und Itterbeck den Bedürftigen des Kirchspiels Uelsen. Getelo überwies dem Kirchenrat zur Verteilung an die Armen zwei fette Schweine und Itterbeck übersandte zum gleichen Zweck 130 Pfund Rindfleisch. Das hat manchen unverhofften Festbraten gegeben.

 


 

Uelsen im Jahre 1930

 

Aus der Zeitungsbeilage „Der Grafschafter“

 

Einwohnerzahl: 1143

Größe: 639,7 Hektar

 

Bürgermeister: Arnold Timmer

Beigeordneter: Albert Diek

Standesbeamter: Albert Diek

 

Geistlichkeit: Ev.-Ref. Pastor Peter Schumacher

Geistlichkeit: altreformierter Prediger Berend-Hindrik Lankamp

 

Ev.-Ref. Kirchenvorstand: Pastor Schumacher und Kaufmann W. Jacobs

Alt-Ref. Kirchenvorstand: Prediger Lankamp und J. Velsink

 

Arzt: Dr. Sander

Zahnarztpraxis Stanke

 

Tierarzt: Wilhelm Grevemeijer

 

Apotheke: Dr. Sander

 

Hebammen: Johanna Momann und Hermanna Peters

Fleischbeschauer: Jan Sietzen und Heinrich Giesbers

 

Badeanstalt: Marschstraße 16

Haushaltungsschule Uelsen: Neuenhauser Straße 246

 

Genossenschaftsbank Uelsen: Vorsitzender Nordbeck aus Hardingen

Elektrizitätsgenossenschaft: Vorsitzender B. Jacobs