Der Burgmannshof "van den Torne".

Wo stand denn wohl die "Burg"?

Willy Friedrich schrieb im Grafschafter vom Januar 1971 folgendes:

... van Toren ... Die Familie soll einst dort gewohnt haben, wo sich heute die Post befindet. ...

Transskriptierter Text der 1. Uelser Schulchronik.

 

4. Familie von Turn oder Toren.

Merkwürdig ist in Uelsen ein kleines altes Gebäude zwischen dem Wesen[1] des Wedekind (Jetzt vom Zigarrenfabrikanten v. Nes bewohnt) und dem Wesen von Pastor emer. Lampmann (Jetzt bewohnt von der Familie des verstorbenen Johannes Kloppenburg). Diese Gebäude, welches schon seit Jahren von einer kleinen, armen Arbeiterfamilie bewohnt wird, ist noch ein kläglicher Rest der früheren Burg des Grafen ten Tooren oder von Thurn. In der Mitte des 19ten Jahrhunderts diente dieses Gebäude, welches damals noch mehrere Räume enthielt, den Juden in Uelsen als Synagoge. In der Zeit gab es in Uelsen nämlich mehrere jüd. Familien, die später nach und nach bis auf eine Familie ausgewandert sind. Diese vormals mächtige Grafenfamilie muß früher bedeutende Besitztümer gehabt haben. Den Namen führte diese Familie wohl von ihrem Turm auf der Burg. „Den größten Zuwachs erhielt aber die Grafschaft Bentheim durch die Besitzungen der vormaligen wichtigen Familie von Thurn oder Thorne, welche wohl von ihren noch in etwa übrigen Schloßturme und ihrer meist verschwundenen Burg zu Uelsen in der heutigen Niedergrafschaft den Namen und drei Schloßtürme im Wappen führte. Mit Eilard von Thurn schloß dieser Graf von Bentheim 1312 einen Vergleich des Inhalts: daß derselbe sein Gericht in der Pfarrei Uelsen für gewisse Zehnten daselbst, als auch in Hardinkhausen, Hilten, Hardingen, Halle, Ostergette, in der Pfarrei Velthusen, in Gravesdorpe, in Breckinchen, in Tübberg, dem Grafen überlassen sollte; diese Zehnten sollte er und seine Erben nach Burgmanns Recht zum Burglehen tragen. Das Bauergericht zu Uelsen und Hilten, mit den Abgaben von Bier, auch das Holzgerichte in Tinholte, wie alle seine Güter im Gerichte Uelsen, nebst der Freiheit derselben von diesem Gerichte, welche Freiheit auch die von ihm an die von Laer verkauften Güter zu Gravestorpe, zu Golichem, Hocklinchen und Groninckhusen genießen sollten, sollte für sich und seine Erben behalten. Diese vom Grafen Johann von Bentheim und von seinen Brüdern Egbert Vicedom zu Münster, Christian und Balduin Domherrn zu Bremen und Osnabrück, und Otto, in Gegenwart aller Bentheimischen Bürgermänner ausgestellte Urkunde ward von Hubert von Lar Dechant zu Oldensel, von den Pfarren zu Emmindrenn (Emmingen = od. Emmons = Haus, Emlichheim) und Nienkerken (Gildehaue), von Welveloe, Johann von Lare und anderen mehr bezeugt.“

„Der Graf Bernard von Bentheim belehnte den Henrich von Thorrne 1399, mit allen sothanen Lehen, als er mit Recht von ihm und von der Herrschaft zu Bentheim zu Lehen halten sollte, und auf solche Art, seine Voreltern diese von den gräflichen Vorfahren zu halten pflegten. Ohne Arglist. Zeugen waren Arend von Dedem, Ortwyn de Boze, Herman von Ghodelinchem. Dann machte der Graf den Henrich von dem Torrne für alle seine in den Gerichten der Herrschaft Bentheim liegenden Güter richterfreij, (Befreite seine Güter von der Jurisdiction der Untergerichte), wie vom Küheschlagen, jedoch sollten diese Freiheiten sich nicht weiter als auf seine Leiberben erstrecken, dabei wurde den herrschaftlichen Amtleuten, Dienern und Knechten bedeutet, diese Freiheiten nicht zu kränken, widrigen Falles sollten die Grafen solches innerhalb vierzehn Nächten verbessern. Des Grafen Bernards Gehülfe in der Regierung in seinem hohen Alter, Arnold von Güterswyk, seiner Schwester Hadewig und Everwyns von Güterswyk Sohn, der aber niemals Graf von Bentheim wurde, sondern vor seinem Oheim starb, befreite 1400, den Heinrich von dem Torne nicht nur im Ansehen seiner bentheimischen Güter von der niederen Gerichtsbarkeit und von der Küheschatzung, sondern auch von der Folge des Glockenschlages und von der Bier-Accise im Dorfe Uelsen. (Diese Bier-Accise und die Gerichtsbarkeit hatten seine Vorfahren bekanntlich an die Gräflichkeit verkauft, wäre diese nicht geschehen und die Familie von Thorne nicht ausgestorben, so wäre der Thurm zu Uelsen vielleicht so unabhängig geworden, als der Thurm zu Lage. Mit dem Glockenschlage wurden die Landesdienste angekündigt, wie ehemals mit dem Waffengeschrei in Marken: To Wopen!) Aber wie es gekommen, daß der Erzbischof Otto zu Bremen den edlen Mann Herrn Bernd von Gottes Gnaden Grafen zu Bentheim seinen und seines Stifts edlen Mann (Lehnmann) mit dem Wildforste in der Brechte bei der Burg zu Bentheim 1401 so damit belehnte, als wie des Grafen Vater und seine Brüder den von seinen Vorfahren und seinem Stifte empfangen und gehalten hätten oder sollten? Der Graf verkaufte mit Zustimmung seines Bruders Christian und seines Vetters Arnd von Gütterswyk an Christian von dem Toerne das Gut zum Schotbrinke mit allem Zubehör, nebst der Zebelinger großen Maaße oder Wiese in der Bauerschaft Sudendorpe im Kirchspiele Schüttorf, mit dem Bedinge, daß zur Umzäunung dieses Gutes und dieser Wiese jährlich das Holz oder Dörner vom Grafen und seinen Nachfolgern könnte gefragt werden; nach Verlauf von 12 Jahren sollte er oder einer seiner Nachfolger dieses Gut und Wiese für fünfzig Marken Münsterischen Gehaltes jährlich acht Tage vor und nach Martini wieder kaufen können, ohne daß dieses Recht verjähren könnte. Zeugen waren die aus der Stiftung des Klosters Frenswegen bekannten Henrich Crull Kerkher to Schuttorpe und Johann te Monninch (vorm. Burgmannsfamilie zu Haselünne), wie auch Johann Roloeves.“[2].



[1] Gemeint: Anwesen.

[2] Aus Urkunden von F. Frau Roet von Bögelscamp.


Anschließend möchte ich aus dem Jahrbuch 1954 des Heimatverein Grafschaft Bentheim zitieren. Diese Abhandlung "Vom Dorf und Kirchspiel Uelsen in alter Zeit" wurde von Dr. Ludwig Edel verfasst und steht auf den Seiten 16 bis 19.

"Vom Dorf und Kirchspiel Uelsen in alter Zeit"

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Als mit den ersten Missionaren die belegbare Geschichte in unsere Heimat ihren Anfang nahm, da fanden diese hier keine ge-

schlossenen Ortschaften, sondern nur Bauerschaften vor, die sich zu Markenverbänden zusammengeschlossen hatten. Über ihnen stand der Go, wo die Gogerichte abgehalten wurden. Man nannte die Zusammenkünfte am Gogericht das Goding. Ähnlich wie man später den Bezirk des Pfarrers ein Kirchspiel nannte, so nannte man den Bezirk des Goding ein Dingspiel.

 

Wenn man sich die Verteilung der alten Ortschaften in der Grafschaft Bentheim anschaut, dann finden wir die meisten entlang der Vechte. Man findet aber auch Ortschaften an den Bentheimer und Uelser Höhenzügen. Gerade hier scheint die Gegend schon früh besiedelt zu sein. Steingräber aus der jüngeren Steinzeit sind hier gut nachgewiesen (Steenebarg). ...

 

Da darf man sich nicht wundern, daß an dieser Stelle die Leute aus dem Go zusammen kamen, was dann auch die Utrechter Missionare veranlaßte, hier ihr Kirchlein zu bauen.

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Der Bau einer Kirche war, auch in Uelsen, der Anfang der Bildung einer Ortschaft. Zuerst kam bestimmt das Pfarrhaus, Wirtshäuser entstanden, Kaufleute und Handwerker folgten.

 ...

Zurück zu den Gerichten.

Nach allgemeiner Ansicht waren die Gogerichte alte Volksgerichte. Der Vorsitz in diesem Gericht war lediglich ein Ehrenposten.

Das Recht zu finden, hatte nicht der Vorsitzender, sondern die Volksversammlung, der so genannter Umstand.

Es war deshalb gewissermassen ein Unrecht, wenn die Richter, die dieses Amt schon manchmal von ihren Eltern un Großeltern übernommen hatten, es an mächtigen Herren verkauften. Die nun dieses Amt als eine der Grundlagen für ihre Landesherrschaft benutzten.

So geschah es auch hier in Uelsen. Hier hatte sich eine Familie

van den Torne niedergelassen. Diese kam wohl ursprünglich aus dem Osnabrückschen. Vielleicht hatte sie durch eine Heirat auf Uelsener Schultenhof diese Stellung erlangt.

Da die van den Thornes sich in ritterlichen Kreisen bewegten, lag ihnen daran, auch hier im Kirchspiel Uelsen sich einen festen Sitz zu bauen. Darum erhielten sie auch die Erlaubnis von ihrem Herrn den Grafen, auf ihrem Erbe Siemeling in der Borg zu Hilten einen festen Speicher für unruhige Zeiten anzulegen. Daran erinnert noch der Name Spiekman oder Spiekermann in der Borg.

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Ich (Dr. Edel) erwähne dies hier, um der Ansicht, als wenn die van den Torne, sich die feste Burg im Dorf Uelsen gebaut hätten, entgegen zutreten. Allerding behielt sich die Familie den Vorsitz im Burggericht vor. Sie waren also gewissermaßen erbliche Dorfschulzen. Beerbt wurden sie von den "von Wüllen".

Als auch diese in Abgang kamen, begann die gräfliche Kanzlei in Bentheim sich mehr um den Uelsener Raum zu bemühen.

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Anmerkungen des Webmasters

Auf jeden fall gab es in den vergangenen Jahrhunderten, neben der Kirche, ein stärkeres Gebäude für die Aufbewahrung der Steuereinnahmen bevor diese an die Burg Dinkelrode in Neuenhaus weitergeleitet wurden. Dies mag auch der Sitz des Burgmannes gewesen sein.

Warum wurde dieses Gebäude als "Burg" bezeichnet?

Die übrigen Gebäude des Dorfes (außer Kirchturm, später auch das Kirchenschiff und Rathaus)bestanden aus Fachwerk mit Lehmwänden. Die Dächer waren mit Stroh gedeckt. Da ist es nicht verwunderlich das ein massives Klinkergebäude als "Burg" bezeichnet wird, zumal sich dort adelige Leute aufhalten.

Wer weitere Informationen über das Mysterium "Burg Uelsen" hat, der darf sich gerne an den Heimatverein Uelsen und Umgebung wenden. Zum Beispiel sind die Angaben zum Standort nur ungenau.

Joseph Prinz schreibt in seinem 1914 erschienen Buch

"Das Lehnregister des Grafen Otto von Bentheim"

u.a. Folgendes(Seite 42-45):

 

§7 Der Knappe Eilhard van den Toerne, ein Sohn des Ritters Nikolaus (lat. de Turri) ist schon 1319 Burgmann auf Bentheim und kommt urkundlich von 1312 bis 1347 vor. Im Jahre 1312 erhielt er von Graf Johann von Bentheim gegen Überlassung des Gogerichts im Kspl. Uelsen eine Anzahl von Zehnten zu Lehen. ...

Der Stammsitz des Geschlechts war angeblich das Dorf Uelsen, wo südlich der Kirche ihre Burg gelegen haben soll, doch erhielt Heinrich van den Toerne erst 1399 die Erlaubnis, auf dem Hof Schmoninck im Kspl. Uelsen (Siemeling Bschf. Hilten) einen Burgsitz zu erbauen. Der mutmaßliche Stammvater des Geschlechts, Arnold de Turri (lat. Turm), erscheint bereits um 1190 in einer Urkunde des Grafen Simon von Tecklenburg.